
Das Zeitalter der Motorschiffe
Ein neues Zeitalter brach für die Bodensee-Dampfschifffahrt an, als die Österreichischen Bundesbahnen im Juli 1928 das Doppelschrauben-Dieselmotorschiff “Österreich“ in Dienst stellte.
An die Stelle des Rades trat bei diesem Schiff die Propellerschraube, an die Stelle der Dampfmaschine der Dieselmotor. Das MS „Österreich“ das erste große Motorfahrgastschiff auf dem Bodensee, wurde in der Werft Korneuburg erbaut und die Schiffsteile mit Bahntransport nach Bregenz geliefert, wo im Trockendock das Schiff zusammengestellt wurde. Der Stapellauf erfolgte am 11. Juli 1928, die Schiffstaufe wurde am 29. Juli 1928 vom Abt Dr. Kassian Haid vom Kloster Mehrerau vorgenommen. Am 11. Januar 1939 wurde im Bregenzer Trockendock ein zweites, großes Motorschiff auf Kiel gelegt, das wieder von der Werft Korneuburg erbaut wurde. Am 15. August des gleichen Jahres lief es vom Stapel und erhielt den Namen „Ostmark“. Seine Planung und Bauvergebung fielen noch in die Zeit vor dem Anschluss an das Deutsche Reich. Als letztes im Trockendock erbautes Schiff konnte es noch vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges seine Probefahrten aufnehmen. Im Verkehr auf dem Bodensee konnte es aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem neuen Namen „Austria“ eingesetzt werden.
Auflassung der Bodensee-Dampfschifffahrt
Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahre 1938 ging mit den Österreichischen Bundesbahnen auch die Österreichische Bodensee-Dampfschifffahrt an die Deutsche Reichsbahn über. Sie wurde der Reichsbahndirektion Augsburg bzw. dem Reichs-Maschinenamt Lindau überstellt und hatte nun als selbständiges Unternehmen aufgehört. Die österreichische Flagge verschwand bis auf weiteres vom Bodensee und die österreichischen Schiffe wurden in Lindau stationiert. Das in Bregenz beheimatete Personal - soweit es nicht zum Heeres- oder Arbeitsdienst eingezogen war - musste seinen Dienst täglich in Lindau antreten, Bregenz war jetzt nur noch eine Landestelle.
Der zweite Weltkrieg
Der zweite Weltkrieg wirkte sich auf die Bodenseeschifffahrt noch schlimmer aus. Am 1. Januar 1940 wurde die Schifffahrtsinspektion Bregenz aufgelöst. Die Schiffswerft mit ihren Werkstätten wurde stillgelegt und deren Einrichtungen der Werft in Lindau übergeben. Die Werkstättenhallen wandelte man in Garagen um und das Trockendock wurde zugeschüttet.
Zum Schutz gegen die Angriffe aus der Luft wurden die Schiffe mit einem dunkelgrauen Anstrich getarnt. Im Januar 1944 begann die deutsche Marine bei Immenstaad mit Übungen zum Abschießen von Torpedos. Zu diesem Zweck wurde leider das elegante Motorschiff Österreich verwendet, das Schiff erlitt bei diesen Übungen schwere Beschädigungen.
Im Oktober 1944 wurde der Schiffsverkehr auf der Strecke Bregenz - Lindau - Friedrichshafen eingestellt, da er durch die immer zahlreicher werdenden Fliegeralarme unrentabel wurde. Mit dem Näherrücken der Front gegen den Bodensee wuchs für die Schiffe die Gefahr, in die Hände der Franzosen zu fallen. Um dies zu verhindern, traf eines Tages im April 1945 vom Lindauer Kreisleiter der Befehl ein, Vorbereitungen zu ihrer Versenkung zu treffen. Einige Getreue, denen die Zukunft der Schifffahrt am Herzen lag, die sich aber auch über ihr Schicksal beim Misslingen ihres Unternehmens im klaren waren, fassten den Entschluss, bei höchster Gefahr die ehemals österreichischen Schiffe „Ostmark“, „Stadt Bregenz“, „Österreich“ und „Bludenz“ heimlich in die neutrale Schweiz zu fahren, um sie vor der Versenkung zu bewahren. Nachdem die Schweizer Behörden auf Anfrage den Schiffen Schutz zugesagt hatten, wurden sie mit 6 bayerischen Schiffen in der Nacht zum 26. April 1945 unbemerkt von der Partei und den Behörden aus den Häfen gebracht. Im Morgengrauen gingen die Schiffe in verschiedenen Schweizer Häfen vor Anker, wo sie in Sicherheit waren und bis zum Ende des Krieges blieben.
Am 16. Oktober 1945 konnte das Dampfschiff „Stadt Bregenz“ als erstes Bodenseeschiff nach dem Krieg die Kursfahrten auf der Strecke Bregenz - Konstanz wieder aufnehmen. Ein paar Monate später war auch das Motorschiff „Austria“ einsatzfähig, welches in den Jahren 1950, 1952 und 1953 das blaue Band des Bodensees erringen konnte.